Kirchenheizungen, die auf fossile Brennstoffe zurückgreifen, haben einen enormen Energiebedarf und werden dadurch hohe Heizkosten erzeugen. Trotz oft geringer Nutzungszeiten können hierbei bei einer angenommen durchgängigen Grundtemperierung Energieverbräuche entstehen, die denen eines Kindergartens oder eines Pfarrzentrums entsprechen. Ein Abschalten oder eine Reduzierung der Nutzungstemperatur dieser Heizungen bieten damit die Chance, Energie und Kosten zu sparen und damit zum Wohl der Gesellschaft, der Umwelt und der finanziellen Handlungsfähigkeit beizutragen. Abhängig vom konkreten Heizsystem können in Kirchen bei der Reduzierung der Heiztemperatur um 1° C bis zu 10 % Energiekosten gespart werden.
Sollte eine Grundtemperierung (etwa aus Frostschutzgründen) zwingend notwendig sein, so ist hier eine Temperatur von 5° C bis 8° C ausreichend. Es kann auch geprüft werden, ob ggf. Wasserleitungen für Toilette, Sakristei o. ä. entleert bzw. abgelassen werden können, um Frostschäden zu vermeiden.
Da ein Großteil der sakralen Gebäude nicht für eine (dauerhafte) Beheizung gebaut wurde, schaden niedrige Temperaturen dem Gebäude oder der Ausstattung und der Orgel in der Regel nicht. Problematisch ist dagegen die relative Luftfeuchte. Diese kann sich beim Sinken der Raumtemperatur erhöhen. Sie sollte 45-70 % nicht für mehrere Tage am Stück über- oder unterschreiten. Werte, die darüber liegen, können zu Schimmelbildung führen. Werte, die darunter liegen, lassen organische Materialien (z. B. Holz oder Leder) schwinden und reißen. Hier sei auch auf das HInweispapier des Bundes Deutscher Orgelbauer zur Energiekrise verwiesen (am Ende der Seite zum download).
Die relative Luftfeuchte kann mit Messgeräten (kombinierte Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsmesser oder sog. Logger) im Blick behalten werden. Dabei sollten mindestens zwei Geräte positioniert werden: eines im Hauptschiff auf Höhe der Sitzplätze und eines – in Abstimmung mit dem / der Organist/in – im Orgelprospekt. Ggf. macht ein weiterer Logger in der Nähe von Kunstwerken Sinn. Vermieden werden sollten Messstellen mit direkter Sonneneinstrahlung (Verfälschung der Temperaturmessung).
Konkrete Maßnahmen, um die relative Luftfeuchte in einer kalten Kirche im unbedenklichen Bereich zu halten sind:
Wichtig bei einer geplanten Änderung der Raumtemperatur ist in jedem Fall eine frühzeitige und transparente Information der Gemeinde sowie das Bereitstellen von Wärmalternativen wie Decken und / oder Kissen (außerhalb der Nutzungszeit am besten in trockenen, geheizten Räumen lagern). Bei alten Sitzbankheizungen mit hohen Temperaturen ist hier Vorsicht aufgrund von Brandgefahr geboten!
Bei bereits installierten modernen Kirchenbankheizungen sollten die Vorlaufzeiten möglichst verkürzt werden (erst zu Beginn des Gottesdienstes) und - wo technisch möglich - nur Teilbereiche beheizt werden (für die Gottesdienstbesucher kennzeichen!). Eine interessante Alterantive bieten auch mobile, meist akkubetriebene Sitzkissen. - mehr zu körpernahen Heizsystemen
Ggf. lohnt es sich zu überlegen, ob es für einzelne Gottesdienste alternative Standorte in oder außerhalb der Kirchengebäude gibt (z. B. „Winterkirche“ im Pfarrsaal oder einen kleinen abgetrennten Kapelle, die einfacher zu beheizen ist) oder eine Konzentration auf wenige Kirchen in einem Seelsorgebereich sinnvoll und möglich ist. Dann können ungenutzte Gebäude geringer beheizt bleiben. Das lohnt sich besonders in den kältesten Monaten des Jahres von Januar bis Ostern.
Vielleicht ist es auch eine Überlegung wert, einen Teil der durch die Temperaturverringerung eingesparten Kosten besonders bedürftigen Personenkreisen zukommen zu lassen.