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Diözesaner Schöpfungstag im Erzbistum Bamberg 2024

End-lich Leben - End-lich Essen. Gut für Mensch und Schöpfung

Samstag, 28. September 2024 in Coburg, St. Marien

Rund 120 Personen konnte das Organisationsteam rund um den Umweltreferenten der Erzdiözese, Sebastian Zink zum ersten Diözesanen Schöpfungstag des Erzbistums Bamberg begrüßen. In Coburg ging es einen ganzen Tag darum mit inhaltlichen und spirituellen Impulsen, mit Vorträgen und Workshops Schöpfungsverantwortung als Zeichen der Zeit und zentrale Herausforderung auch für das Erzbistum bewusst zu machen, Vernetzungsmöglichkeiten auch über den kirchlichen Raum hinaus zu schaffen und einfach miteinander den Lobgesang der Schöpfung zu feiern. 

Als inhaltlicher Schwerpunkt drehte sich alles um das Thema "Ernährung" - konkret um "End-lich Leben - Endlich Essen. Gut für Mensch und Schöpfung". Ein zentrales Thema, denn es ist eine "Tatsache, wir müssen jeden Tag essen und trinken, um zu überleben", so Sebastian Zink in seiner Einführung in den Tag. Zugleich wollen wir, dass die Welt intakt, artenreich, fruchtbar und blühend bleibt. Jedoch ist ein Viertel der Tier- und Pflanzenarten weltweit vom Aussterben bedroht, die Belastung durch Pestizide und Stickstoffeinträge in Wasser und Lebensmitteln ist groß, der Lebensmittelbereich verursacht etwa 15 bis 20 % der CO2-Emissionen und damit in etwa so viel, wie der Verkehrssektor. Wir verlieren weltweit permanent fruchtbares Land durch falsche oder Übernutzung, das Wohl von Nutztieren sorgt ebenso für gesellschaftliche Debatten wie die Situation der Landwirte. Und all das im Angesicht einer nach wie vor steigenden Weltbevölkerung. Es ist also eine durchaus bedeutete Frage, "wie wir Lebensmittel produzieren, wie wir sie verteilen und wie wir sie konsumieren", so Zink.

In seinem Impulsvortrag ging der langjährige Vorsitzende des BUND in Deutschland, Prof. Hubert Weiger, aus von den ökologischen Belastungsgrenzen unseres Planeten und den EU-Entwicklungszielen der EU. Er machte deutlich, dass einer ausreichenden und guten Ernährung eine zentrale Bedeutung beim Erreichen dieser Ziele zukommt. Um eine solche langfristig sicherzustellen, braucht es aber aus seiner Sicht einen Umschwung weg von der industrialisierten Landwirtschaft hin zu nachhaltigen Agrar- und Ernährungssystemen durch eine flächendeckende Ökologisierung der Landwirtschaft in bäuerlichen Strukturen. Dabei scheitere ein entsprechender Umschwung aber nicht unbedingt in erster Linie an der fehlenden Bereitschaft der Landwirte. Zentraler ist die geringen Nachfrage und die mangelnde Bereitschaft der Kunden, mehr für Lebensmittel zu zahlen. Deshalb benötige es nun einen gemeinsamen Einsatz von Klimaschutz-, Ökologie-, Sozial- und Agrarbewegung für einen entsprechenden Wandel.

Ähnlich argumentierte auch Prof. Martin Schneider von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Der Professor für Moraltheologie und Sozialethik definiert Ernährung grundlegend als Menschenrecht sowie als Frage der Gerechtigkeit. Ernährungssicherheit sei dabei nicht nur mit dem Fokus auf Zugang zu Nahrung zu diskutieren, sondern auch mit Blick auf gerechte und nachhaltige Produktions- und Verteilungssysteme. Ernährung bzw. der Boden, auf dem die Nahrung wächst, sei in erster Linie als Gemeingut aller Menschen zu verstehen. Deshalb dürfe Boden auch nicht nur als betriebswirtschaftliches Vermögen sondern insbesondere als wertvolles Naturvermögen verstanden werden, das Grundlage für zahlreiche Leistungen ist und daher erhalten und gepflegt werden muss. Am direktesten kommt diese treuhänderische Aufgabe Landwirten zu, die dafür gesellschaftliche Anerkennung und Unterstützung sowie finanzielle Honorierung für gemeinwohlorientierte Leistungen bekommen sollten. 

In der anschließenden Podiumsdiskussion ergänzte diese Betrachtungen der Bundestagsabgeordnete Johannes Wagner von Bündnis 90/ Die Grünen mit dem Hinweis, dass weltweit weit mehr Menschen von Fehlernährung als von Unterernährung betroffen seien. So gebe es in Deutschland eine Überproduktion von Fleisch, hingegen eine Unterproduktion von Obst und Gemüse. Sowohl mit Blick auf die individuelle Gesundheit als auch auf die Gesundheit des Planeten seien hier schnelle Veränderungen notwendig. Volle Zustimmung zu dieser Aussage kam von Dietrich Pax. Er bezeichnet sich selbst als "Öko-Lobbyist" und ist unter anderem Mitglied des Vorstands des Ernährungsrates Oberfranken: "Wir leben jetzt - wir gestalten jetzt die Zukunft und müssen die Dauerhaftigkeit einer für menschen lebenswerten Erde sichern" appelierte er und verband dies mit einem deutlichen Plädoyer für regionale Lebensmittel: "Wenn die Kartoffeln aus Ägypten und das Schäuferla aus Spanien kommen, dann bekommen wir das nicht hin."

Von allen vier Teilnehmern der Podiumsdiskussion wurde der klare Wunsch an die Kirche formuliert, sich ganz um Sinne von Papst Franziskus als Vorreiter für einen ökologischen Lebensstil zu verstehen, beispielsweise durch eine nachhaltigere Verpflegung in den Kantinen der Bildungshäusern, in den kirchlichen Schulen und Kitas.

Begegnungsmöglichkeiten schafften in den Pausen v. a. die Stände diverser Kooperationspartner, so etwa dem Forum 1.5 Bamberg-Coburg oder dem Ernährungsrat Oberfranken. Darüber hinaus konnte man sich bei der Kreisgruppe des Bund Naturschutz Coburg über ihre Arbeit informieren, konnte an der Saftpresse des Landesbund für Vogelschutz Coburg frisch gepressten Apfelsaft genießen und bei der Regionalgruppe von Foodsharing e. V. "gerettete" Lebensmittel vor dem Wegwerfen bewahren. Kommunikations- und Genußort war aber auch die von Ehrenamtlichen des Seelsorgebereich Coburg Stadt und Land und der Pfarrei St. Marien betreute Küche, wo es am Mittag leckere vegetarische Suppen aus regionalem Gemüse vom Gärtnerhof Callenberg und zum Kaffee eine Vielzahl selbstgebackener Kuchen gab.

Am Nachmittag fanden mehrere Workshoprunden zu verschiedenenen Einzelthemen (z. B. Permakultur, Spiritualität des Essens oder Landwirtschaft heute) statt. Den Abschluss des Tages bildete eine Vesper mit Erzbischof Gössl. In seiner Ansprache rief er zu Dankbarkeit und Bescheidenheit auf: "Wenn es uns nicht gelingt, möglichst rasch den Weg größerer Bescheidenheit einzuschlagen, werden wir alle miteinander weder ökologisch noch ökonomisch noch politisch eine echte Zukunft haben". Ohne die Bereitschaft zu Verzicht werde die soziale Ungerechtigkeit immer weiter wachsen und die Erde immer weniger lebenswert. "Es gibt genügend Lebensmittel für alle Menschen, aber es gibt eben nicht genug, um sie in einigen wenigen reichen Ländern massenhaft zu verschwenden oder zu vernichten", betonte Gössl. Es sei aber auch nicht nötig, den Wohlstand um jeden Preis zu erhalten, weil er Menschen nicht glücklicher mache, sondern eher überdrüssig und unzufriedener. Das wahre Glück wachse aus einer Haltung der Bescheidenheit und der Dankbarkeit. "Es ist genug für alle da", so Gössl. "Entscheidend ist nur, dass wir lernen, loszulassen und zu teilen beziehungsweise ungerechte Strukturen zu erkennen und zu vermeiden." Der Glaube an Gott sei eine gute Basis für einen nachhaltigen Weg in die Zukunft: "Der Glaube hilft uns, den Blick zu konzentrieren auf das, was wir uns unsere Mitmenschen wirklich brauchen". Mit dem Vertrauen auf Gott sei ein Leben in Einfachheit, Bescheidenheit und Nachhaltigkeit möglich, ein Leben das wirklich glücklich mache.

 

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